Die Bibliothek des Seminars für Romanistik mit üppigen Stuckaturen, die wohl aus der Zeit von Kurfürst Clemens August stammen.

Die Bibliothek des Seminars für Romanistik mit üppigen Stuckaturen, die wohl aus der Zeit von Kurfürst Clemens August stammen.

Im ersten Band der Vampirromane aus Bonn ist Jan Meyer-Frankenforst einer der Hauptcharaktere. Für Jan zählen sein Auto, sein Sport im Fitnesscenter und sein Romanistik-Studium an der Universität Bonn. Neben dem Fitneßcenter ist die Bibliothek des Seminars für Romanistik sein meist geschätzter Aufenthaltsort. Der kurz vor dem Ende des Studiums stehende Jan führt eine stabile Beziehung mit sich selbst. Wenn er grad mal nicht mit einem der drei Aspekte Studium, Auto und Sport beschäftigt ist, hilft ihm sein Kater, sich zu entspannen.

Er und seine Schwester Nina wachsen bei Großonkel und –tante auf, ihre Eltern sind vor 15 Jahren bei einem Attentat islamistischer Extremisten in Ägypten ums Leben gekommen. Jan hat Vorurteile, geht nicht gern echte Bindungen ein, die Zahl seiner Freundinnen ist enorm und sein Onkel betrachtet den Frauen-Verschleiß seines Großneffen mit Sorgen.

Als Jan und Elias sich begegnen, kommen alte Ängste und Vorurteile in Jan hoch und er beginnt einen Krieg gegen den jungen Oud-Spieler, bis es fast zu spät ist. Jan ist nicht das hellste Licht auf der Torte der emotionalen Fähigkeiten und braucht lange, bis er merkt, was ihm wirklich wichtig ist.

In Böses Blut der Vampire erfährt der verdutzte Jan, der mit Elias mittlerweile zusammenlebt, dass er Vater zweier Söhne ist, die aus einer vorhergehenden flüchtigen Heterobeziehung stammen. Er outet sich gegenüber seinem Beinahe-Schwiegervater Peter Harrach. Dieser ist für ein Attentat verantwortlich, das Ioan Raudlescu in die Wege leitet. Jan wird schwer verletzt, heilt aber als Vampir. Er macht auch die Bekanntschaft mit Cosmin Radulescu und Sebastian Harrach, der der Bruder von Sophie Harrach, der sterbenskranken Mutter seiner Söhne ist.

In Jagd der Vampire promoviert Jan am Romanistischen Seminar und gerät weiter in Konflikt mit Ioan Radulescu. Er und Elias ziehen die beiden Kinder groß, nachdem Sophie gestorben ist.

In Krieg der Vampire erhält Jan seltsame Papiere mit dem Imprimatur des Zensors Kovacs und realisiert zunächst nicht, was ihm auf dem Schreibtisch landet. Später wird mehrfach bei ihm eingebrochen. Dschinnen aus der bibliothek der Bucharis versuchen, an die Papiere zu kommen.

Leseprobe aus dem Roman Hochzeit der Vampire

Jan schloß den Deckel seines Laptops und lehnte sich vergnügt zurück. Die Vorlesung war vorbei, der große Blonde hatte den Rest des Tages frei und wollte den Hörsaal gerade verlassen, als ihm noch etwas einfiel. Er wollte Katzenfutter für seinen Stubentiger kaufen und überlegte, was er seinem Liebling Gutes tun könnte. Sein pelziger Freund war anspruchsvoll und ließ sich mit gewöhnlichem Dosenfutter nicht abspeisen. Jan hatte nicht vor, es sich mit seinem Kater zu verderben. Er überlegte, bei seinem Bio-Metzger in Mehlem vorbeizufahren und eventuell ein wenig frisches Rindfleisch oder etwas anderes zu holen, um Lagerfeld, wie er seinen Tiger nannte, vor dem abendlichen Training im Fitneßcenter noch eine kleine Mahlzeit zu bescheren.

Als er den Hörsaal verließ, spürte Jan, wie ihm einige seiner Kommilitonen hinterher sahen. Er war es gewöhnt, dass Jungs wie Mädchen ihn attraktiv fanden und seine Eroberungsrate bei den Erstsemesterpartys war legendär. In letzter Zeit hatte er aber das Interesse mehr und mehr verloren, irgendwie wurde es langweilig, ständig neue Mädchen kennenzulernen, aufzureißen, seinen Adoptiveltern vorzustellen und dann doch festzustellen, dass sie uninteressant waren. Sie wirkten auch nicht mehr so attraktiv auf ihn wie früher. Jan wunderte sich selber ein wenig über sich, schob es aber auf das Studium und sein Training. In letzter Zeit hatte sein Studium ihn doch sehr in Anspruch genommen, seine Professorin meinte, er solle sich mal langsam ein Thema für seine Abschlußarbeit suchen. Sie hatte ihm vorgeschlagen, sich mit der Epoche der Omayyaden in Spanien zu beschäftigen und dort ein Thema zu suchen.

Er würde mit seinem Onkel darüber reden, Clemens hatte ihm immer gute Tipps gegeben, was seine Studienplanung betraf. Vermutlich würde Clemens bei diesem Wetter bei seinen Bienen sein und den Frühling in vollen Zügen genießen. Wahrscheinlich rechnete er sich schon wieder die kommende Honigernte aus. Auch Jan freute sich auf diese Zeit, es war immer schön, seinem Onkel bei der Honigernte zu helfen. Dem nun doch nicht mehr so ganz jungen Großonkel zu helfen, die schweren Honigräume vom Transporter in die Schleuderräume zu tragen, die Waben in der modernen Entdeckelungsmaschine zu entdeckeln, dann in die Schleuder zu hängen und zuzusehen, wie der geschleuderte Honig in die Filteranlage lief und von dort aus in die großen Lagerbehälter gepumpt wurde, das hatte sich zu einem festen Bestandteil seines Lebens entwickelt. Sein Großonkel hatte nach seiner Frühpensionierung eine Tätigkeit gesucht und in der Imkerei gefunden.

Jan grinste, wenn er daran dachte, wie scheel ihr Nachbar und Hausarzt manchmal auf die Bienen blickte. Der alte Doc wußte genau, dass er es sich selber eingebrockt hatte, als er seinem Nachbarn die Bienen quasi verschrieben hatte als Ersatzbeschäftigung für den aufgegebenen Lehrerberuf. Nun, Onkel Clemens machte keine halben Sachen und hatte sich eine Imkerei aufgebaut. Er mußte nicht wirklich arbeiten, er hatte mit Pension und ererbtem Vermögen genug Geld, um seine Ansprüche zu befriedigen und mit Tante Monika ein schönes Leben zu führen, sowie seinen Adoptivkindern eine solide Ausbildung zu finanzieren. Onkel Clemens fand aber, dass es seinem Neffen auch nicht schaden würde, wenn er sich das Geld für Auto, Fitneßcenter und sonstige Vergnügen ein wenig verdienen mußte. Jan konnte diesen Argumenten nicht wirklich etwas entgegensetzen und half ihm gern.

Zuerst hatte er die Bienen mißtrauisch betrachtet, immerhin hatten die kleinen Summsen einen Stachel, mit dem er auch hin und wieder Bekanntschaft machte. Aber die Stiche waren nicht so schlimm wie gedacht und er hatte sich daran gewöhnt. Mit der Erfahrung, die aus dem jahrelangen Umgang mit den Bienen erwuchs, wußte er auch, wie er vermied, die Bienen in Rage zu bringen und es passierte nur noch selten, dass er gestochen wurde. Mit seinem Onkel zusammen kümmerte er sich jetzt um 90 Bienenvölker und er überlegte schon, die Anzahl der Völker noch zu vermehren, da ihr Honighändler sie schon drängte, mehr Honig zu produzieren. Er würde mit seinem Onkel darüber reden müssen und wollte ihn bald darauf ansprechen. Mit ihrer guten Qualität erzielten sie einen guten Preis für ihren Honig und es blieb nach Abzug aller Kosten einiges übrig. Genug, um Stück für Stück das Auto zu restaurieren, das er als Schrotthaufen in einer Scheune in der Eifel entdeckt hatte. Eine wunderschöne alte S-Klasse, ein Traum in Lack, Wurzelholz und Leder stand vor seinem inneren Auge, wenn es denn mal fertig sein würde. Immerhin war die Karosserie schon fertig gesandstrahlt und konnte bald neu lackiert werden. Der Motor, ein alter Sechs-Zylinder mit Helix-Doppelvergaser, war auseinandergenommen und überholt worden. Noch stand er unter Tüchern verhüllt in der Garage seines Onkels, Gott sei Dank hatte die alte Villa eine geräumige Doppelgarage und einen zusätzlichen Stellplatz für den Transporter, den Clemens und sein Neffe für die Bienen nutzten.

Die Bienen waren schon Klasse, das stand mal fest. Nicht nur weil sie ihm das Taschengeld aufbesserten, sondern weil er durch sie auch gelernt hatte, ruhig zu arbeiten und Streß abzubauen. Hektik mochten die kleinen Bestäuber nicht und Hektik im Bienenkasten ging gar nicht. Das hatte er Stich für Stich schmerzhaft lernen müssen.

Mittlerweile war Jan bei der Bio-Metzgerei Merzbach im Godesberger Stadtteil angekommen, den ihm seine Adoptivmutter empfohlen hatte. Monika Meyer-Frankenforst schätzte das Angebot an Fleisch, das die Metzgerei hatte. Die Metzgerei war auch für ihr Angebot an Wild bekannt, die umliegende Jägerschaft aus Eifel und Kottenforst lieferte regelmäßig Wild an.

„Hallo Jan, was soll es sein? Wieder etwas für ihren Kater?“ Das Metzgerpaar kannte Jan schon lange, die Meyer-Frankenforsts gehörten zu seinen Stammkunden, seitdem es die Bioland-Metzgerei in Beuel gab. Jan kam öfters nach der Uni vorbei und kaufte Kleinigkeiten ein für seinen Kater, den er, wie auch Merzbachs mittlerweile wußten, abgöttisch liebte.

„Ich hätte frische Leber, was halten Sie davon? Übrigens auch ein kleines Rezept, Sie sollten sich dafür noch frische Zwiebeln und Äpfel besorgen, aber ihre Tante dürfte das eigentlich im Haus haben.“

„Besten Dank, wie viel empfehlen Sie mir für ein Abendessen für vier Personen plus Kater?“ grinste Jan den Metzger an.

„Ich packe ihnen ein paar Stücke zusammen“, antwortete der Metzger und wog einige Stücke Leber ab, packte sie zusammen und gab Jan das Päckchen.

Jan bezahlte, bedankte sich und verließ den Laden. Er fuhr mit der Stadtbahn zurück und stieg am Bahnhof um in den Bus, der bis zur Rheinallee in Bad Godesberg fuhr. Von dort waren es nur wenige Minuten Fußweg bis zur Villa Meyer-Frankenforst im Villenviertel.

Die ersten Jahre nach dem Tod der Eltern waren schwer gewesen. Seine und Ninas Eltern waren bei einem Attentat ums Leben gekommen, das islamistische Extremisten auf eine Hotelanlage in Ägypten verübt hatten. Völlig sinnlos, ohne Sinn und Verstand. Einfach nur, weil ihnen irgendein fanatischer Koranheini Flausen in den Kopf gesetzt hatte und die Bombenleger meinten, sich damit direkt ins Paradies zu bomben. Dort würden dann auf jeden 40 Jungfrauen warten und was dann? Die künftige Existenz bestünde dann wohl aus einem fortwährenden Entjungfern und Quer-durch-das-Paradies-Vögeln. Toll! Ganz toll! Jan hatte später Fotos der Bombenleger gesehen, es waren alles junge Männer gewesen, alle Anfang 20 mit um den Kopf gewickelten Bändern und wirren Sprüchen auf den Lippen.

Als das Attentat passierte, war er noch keine zwölf Jahre alt gewesen. Einen Tag vorher hatte er eine Postkarte von seinen Eltern bekommen und sie stolz mit in die Schule genommen, um sie seinen Freunden zu zeigen. Noch während des Unterrichtes war er dann von der Polizei abgeholt worden, die über die deutsche Botschaft in Kairo über das Attentat informiert worden war. Auch seine Schwester war aus dem Kindergarten abgeholt worden und sie saßen einem unbekannten Mann gegenüber, der ihnen erklärte, dass bald jemand käme, um sie abzuholen. Zuerst kamen Oma und Opa, Oma war völlig verweint und Opa war sehr still. Die Großeltern hatten auf die Kinder aufpassen sollen, während die Eltern in Ägypten waren. Nicht zum ersten Mal, denn ihre Eltern waren in der Tourismusbranche tätig und hatten sich Hotelanlagen in Sharm el Sheich am Roten Meer ansehen wollen, außerdem wollten sie ein paar Tage Urlaub machen.

Von einem Tag auf den anderen war alles anders. Es war bald klar, dass die Kinder nicht bei den Großeltern bleiben konnten. Oma und Opa waren schon weit in den 70ern und nicht gesund. Sie hätten die Kinder gern weiter aufgezogen, aber es ging nicht, beim besten Willen nicht. Das Elternhaus wurde verkauft und eine Zeit lang blieben die Kinder noch bei den Großeltern. Opa hatte aber einen jüngeren Bruder. Clemens und seine Frau Monika waren schon öfters eingesprungen, wenn Oma wegen ihrer Krankheit nicht mehr konnte. Die beiden Brüder hatten sich dann zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, was man tun könnte. Clemens war ein Nachzügler und fast zwanzig Jahre jünger als Opa und Oma. Er war ein früh pensionierter Lehrer, hatte ein großes Haus in Bonn und selber keine Kinder. Das Jugendamt war mit dieser Lösung einverstanden und übergab den beiden die Kinder zunächst zur Pflege und später auch die Vormundschaft. Später, als Jan 14 war, fragten Onkel Clemens und Tante Monika seine Schwester und ihn, ob sie damit einverstanden seien, wenn sie adoptiert würden.

Ihre Großtante hatte die Kinder schnell in einen ruhigen Tagesablauf eingegliedert und die Kinder kamen zur Ruhe. Aber es dauerte noch lange, bis die Kinder das Ereignis einigermaßen verdaut hatten. Seine Schwester hatte sich zu einer kleinen Rebellin entwickelt und beschäftigte sogar eine Zeit lang die Polizei. Harmlose Kleinigkeiten, aber irgendwann stand ein genervter Polizist in der Villa Meyer-Frankenforst und führte ein ernstes Gespräch mit Clemens und Monika, erklärte ihnen, dass die kleine Nina ein Problem hätte, dem mit Stubenarrest und Taschengeldkürzung nicht beizukommen sei und dass sie professionelle Hilfe benötige. Onkel Clemens bat seinen Nachbarn, den alten Doc dazu und man entschied, dass die Nina in ein Internat käme und dort einen Psychologen in Anspruch nehmen konnte.

Jan liebte seine kleine Schwester und hatte über ihre Streiche gelacht. Die Streiche waren aber immer heftiger geworden und als das Schulschwänzen häufiger wurde, eingeschmissene Fensterscheiben, beschmierte und zerkratzte Busscheiben und –sitze dazukamen, konnte auch er nicht mehr lachen. Als seine kleine Schwester das erste Mal von der Polizei betrunken bei der entsetzten Großtante Monika abgeliefert worden war, bekam auch er Angst. Und als ein Schulverweis drohte, war auch ihm klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

Anfang 2004 war das gewesen und das war noch einmal ein unruhiges Jahr für die Familie Meyer-Frankenforst geworden. Doch als Nina in den Weihnachtsferien nach Haus kam, war sie schon wesentlich ruhiger geworden. Sie holte das Versäumte in der Schule des Internates nach, schaffte dort noch ein passables Abitur und begann eine Ausbildung zur Krankenschwester, die sie gut abgeschlossen hatte. Eine Zeit lang arbeitete sie noch zusätzlich in der Intensivstation der Chirurgischen Klinik, in der sie auch ihre Ausbildung gemacht hatte.

Jetzt, 2011, mit 20 Jahren, überlegte sie, ob sie nicht selber Medizin studieren sollte und nervte ihren Bruder mit ihren Ratschlägen und spitzen Bemerkungen zu seinen Tagesabschnittspartnerinnen wie sie seine zeitweiligen Eroberungen nannte. Sie hatte auch schnell bemerkt, dass er im Grunde genommen nichts Ernsthaftes suchte und höchstens etwas vertiefte Flirts hatte.

„Probiere es doch mal mit einem Mann“, hatte sie ihn sogar angegrinst und über seinen Körperkult gelästert. „Das, was du mit deinem Bodybuilding veranstaltest und was dein Schrank an Pflegemitteln, After-Shaves, Body-Lotions und Cremes aufweist, das hat höchstens eine Party-Schwuppe, aber kein normaler Hetero. Und welche Hete hat mit Mitte zwanzig einen begehbaren Kleiderschrank? Sag nix!“

Jan hatte sie ausgelacht. Er und Männer, das fehlte noch.

Gelegentlich hatte der eine oder andere ihrer schwulen Krankenpfleger-Kollegen ihn mal angeflirtet, aber Jan hatte nur höfliches Desinteresse bekundet und sich wieder in seine Trainingseinheiten gestürzt und dabei Vokabeln gelernt.

Allerdings hatte sich ihm irgendwie ein Floh ins Ohr gesetzt und Jan fragte sich, ob es tatsächlich sein könnte, dass er schwul war. Hin und wieder wachte er nach einem feuchten Traum auf und hatte das diffuse Gefühl, dass der Auslöser seines Traumes keine seiner früheren Eroberungen gewesen war. Er konnte sich aber nie daran erinnern, wovon er geträumt hatte.

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