Wer sonst hätte das Recht auf die erste Nacht, wenn nicht der Beherrscher des Landes? Als erster marokkanischer Schriftsteller wagte es Abdellah Taïa, sich zu outen. In seinem Roman „Der Tag des Königs“ erzählt er eine tödlich endende schwule Liebesgeschichte – vor realer historischer Kulisse.

Sehr fern und fremd wirkt dieser Roman, das gibt ihm Wucht, und sein Ich-Erzähler tut nichts, um das Befremden zu mildern. Vielleicht fehlt diesem Omar die dazu nötige Vorstellungskraft; er ist erst 13 Jahre alt. Obwohl er schon eine Menge weiß über das Leben, zu dem er sich verdammt sieht. Er kennt den Dunst der Armut, den Geruch des Todes und die erschöpfte Lust älterer Männer, die sich mit Knaben wie ihm trösten. Das Armenviertel der marokkanischen Stadt Salé, das ist für Omar, diesem naiven arabischen Nachfahren der römischen Vorstadtstricher Pier Paolo Pasolinis, die Welt – und Marokko das Universum, beherrscht vom allmächtigen König.

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