Romane über Vampire gibt es zuhauf – doch haben wir schon mal von homosexuellen Vampiren gehört? Die noch dazu von marokkanischer Abstammung sind? Der Autor setzt sich mit so etwas auseinander in seinem Roman und zeigt dem Leser, dass dies durchaus möglich wäre, eine neue Perspektive der Fantasie, Liebe – rund um Vampire…

Wir begleiten Jan, einen etwas verkorksten Jungen, und seine Familie. Er und seine Schwester Nina haben ihre Eltern schon früh verloren durch einen Terroranschlag. Ab da hausen sie bei Monika und Clemens, die mit ihnen verwandt sind und die Kinder gern adoptiert haben. Nicht zu vergessen, der alte Doktor nebenan, der schon fast zur Familie gehört und der Beauftragte eines Amtes: Oleg. Diese meistern ihr Leben in ihrem schönen Heim, mit Bienenzucht und Monikas Liebe zum Kochen. Da erhalten sie eine Anfrage der Al-Buchari Stiftung aus dem Maghreb, ob sie ihre zwei Schützlinge Mounia und Elias aufnehmen könnten, da diese studieren möchten in Deutschland. Diese haben ebenso wie die zwei jungen Leute ihre Eltern schon sehr früh verloren, diese sind mit dem Flugzeug abgestürzt durch ein schweres Missverständnis. Jan begegnet den zweien gleich mit Ablehnung, stammen diese doch daher, von denen seine Eltern ermordet wurden. Elias ist gleich hingerissen von Jan, aber Jan zeigt nur große Ablehnung.

Elias größtes Geheimnis kennt er jedoch noch nicht, er ist ein Vampir. Als Jan dann endlich merkt, dass Elias seine zweite Hälfte ist und die Al-Bucharis ein liebenswerter Haufen sind, ist es schon fast zu spät. Zu Anfang gibt es gleich einen positiven Aspekt, die Personen werden gleich beschrieben, wer hier wer ist. Das ist bei diesem Buch ein großes Plus, denn es tauchen so einige Charaktere auf, an die man sich gewöhnen wird.

Der Autor setzt sich hier mit einem brisanten Thema auseinander – schwule Vampire und dann auch gleich noch mit islamischem Hintergrund. Ich könnte mir vorstellen, dass er hier auf scharfe Zungen stößt und einigen dieses Thema schwer aufstößt. Nichtsdesto trotz ist es ein spannendes Thema und verleitet den Leser gleich loszulesen und eine große Vorfreude auf die Geschichte zu erhalten. Jan, um den es eigentlich größtenteils geht in diesem Roman, ist eine eigenartige Persönlichkeit. Man kann sich meistens nicht entscheiden, ob man mit ihm fühlt oder ob dies eher etwas abstoßend ist, wie er sich anderen gegenüber verhält. Dieser hat zu viele Vorurteile und ist zu verschlossen – andererseits ist er ein junger Mann, der sich für viele Sachen begeistert und sich dann auch diesen ganz hingibt, z. B. die Bienen. Nina hingegen ist eine lebensfrohe junge Frau, die ihren Bruder immer etwas aufpäppelt mit ihren frechen Sprüchen. Clemens und Monika erinnern an das Großmütterchen und Opa, zwei ganz liebenswerte Personen, die es allen recht machen möchten und viel Verständnis aufzeigen. Der alte Doktor und Oleg sind ebenso zwei angenehme Persönlichkeiten, die die Familie das Buch über begleiten. Dann kommen Elias und Mounia dazu – zwei ganz von den anderen unterschiedlichen Typen. Sie sind rassig, schön und aufgeschlossen. Sie leben sich sehr schnell ein, was aber auf Grund Jan oft zu Schwierigkeiten kommt. Es grenzt schon an einen sehr großen Zufall, dass diese auch beide Elternteile durch fast das gleiche Erlebnis verloren haben. Sie verstehen Jan hier zwar, aber er sie nicht – sie gehen alle anders mit diesem Thema um. Wie es auf dem Klappentext angekündigt wird, verlieben die zwei Jungs sich, als es schon bald zu spät ist. Hier würde man eigentlich meinen, das Buch könnte zu Ende sein, aber hier hat man mindestens noch 200 Seiten vor sich. Leider wird hier nicht alles so glaubhaft dargestellt, wie man es sich wünscht. Die Ereignisse überschlagen sich meines Erachtens zu schnell, es passiert zuviel auf einmal und die Menschen bzw. Vampire in diesem Buch sprechen viel zu schnell von Liebe. So viel Liebe auf den ersten Blick ist nicht realistisch und schon gar nicht innerhalb der Familie. Es wäre schön, wenn es dies wirklich geben würde – aber die Realität ist oft anders und dieser Fakt lässt einen die Augenbrauen hochziehen bei diesem Roman. Es ist zwar schön, die beiden Familien auf ihren Wegen zu begleiten, aber die Spannung nimmt leider oft ab und erreicht nicht mehr die Höchstform. Aus diesem Buch hätte man zwei Teile machen können und die Details etwas mehr ausarbeiten können, die Personen dem Leser so noch näher bringen können und mehr Zeit einräumen für deren Bedürfnisse. Auch waren manche obszöne Ausdrücke irgendwie fehl am Platz, wird einem hier doch das Bild irgendwie anders vermittelt durch die Persönlichkeiten. Nichts desto trotz war es ein schönes Leseerlebnis, die Familien zu begleiten und einmal von einer etwas anderen Liebe zu lesen und zu erfahren, wie diese damit umgehen.

Ein sehr schönes Gänsehaut-Zitat aus dem Buch: “Jan, die Liebe zwischen zwei Menschen bewirkt, dass beide zusammen mehr ergeben als nur die Summe der beiden Teile.” (S. 195)

Für die Vampirfans unter uns, die gerne einmal eine Liebe zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Personen und mit riskantem Migrationshintergrund erfahren möchten, ist diese Lektüre lesenswert und aufschlussreich. Es ist einmal eine Abwechslung zwischen dem ganzen anderen Urban-Fantasy. Kleiner Tipp am Rande aber noch: Wer Twilight noch nicht gesehen/gelesen hat, dies aber noch gerne tun würde, sollte das Buch erst danach lesen, denn hier wird bei einem Kinobesuch viel, wenn nicht gar die ganze Handlung widergegeben. Die Idee des Autors, die er mit diesem Buch vermittelt, finde ich aber top. Es sollte öfters solche andersartigen Geschichten geben und nicht immer nur einen Abklatsch eines anderen Buches in anderer Form.

2,5 von 5 Punkten

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Autor bedanken für die willkommene Abwechslung, die er mir beschert hat durch das Leseexemplar =)

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