Der Roman Hochzeit der Vampire von Hagen Ulrich, erschienen im Himmelstürmer Verlag

Hagen Ulrich ~ Hochzeit der Vampire

Die Zwillinge Elias und Mounia Al-Buchari gehören zu einer alten Dynastie von nordafrikanischen Vampiren. Angeführt wird der Clan seit langer Zeit von der Großmutter der beiden, Lalla Sarah. Die Eltern der Zwillinge sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, seitdem leben sie bei ihrer Großmutter, die den beiden die Leitung der Al-Buchari-Stiftung überlassen möchte. Sie gibt ihnen einen gewissen Zeitraum, um sich entsprechend vorzubereiten.

Die Zwillinge entscheiden sich für ein Studium in Deutschland, nur für ihren besonderen Lebenswandel brauchen sie entsprechende Unterstützer, die ihr Geheimnis gut behüten und verdecken. Schnell fällt die Wahl auf die Monika und Clemens Meyer-Frankenforst, die in ihrer Villa in Bonn bereits zahlreiche junge Austauschstudenten der Stiftung aufgenommen haben. Unter anderem leben dort auch Nichte und Neffe der beiden, Nina und Jan, deren Eltern ebenfalls starben, allerdings bei einem Bombenanschlag. Mit der ähnlich tragischen Lebensgeschichte hoffen die Meyer-Frankenforts, dass die jungen Vampire sich schnell mit den beiden anfreunden können…

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…wäre da nicht Jan, der Elias vom ersten Moment an mit Verachtung und derben Beleidigungen straft. Der Beginn lief wirklich unschön ab und ich habe mit Elias wirklich gelitten. Sich permanent anfeinden zu lassen, nur weil Jan seit dem Bombenanschlag auf seine Eltern jeden verabscheut, der im Ansatz optisch den Tätern gleicht, geht an die Nieren. Nachvollziehbar ist die Ablehnung durchaus, schön zu lesen war sie hingegen nicht. Umso mehr überrascht der Bruch, als sich beide jungen Männer plötzlich füreinander interessierten und sich dies auch eingestanden.

Gleich zu Beginn stellt Hagen Ulrich die wichtigsten Personen vor, die in seinem Roman mitspielen. Bei der Menge an Personen war dies nicht nur nützlich, sondern auch wirklich informativ und wertvoll. Bereits vor den ersten Zeilen des eigentlichen Romans wusste ich in Grundzügen, wer mir begegnen wird und der Vampirhintergrund wurde bereits angedeutet, ebenso die Familiengeschichten, die entscheidend waren für die nachfolgende Handlung.

Ansprechend beschrieben sind die erotischen Szenen, in denen Jan und Elias sich langsam an die für Jan neue Situation herantasteten. Nach den großen Startschwierigkeiten war es auch einfach schön, die beiden so friedlich miteinander zu erleben und die zart wachsende Beziehung hautnah mitzuerleben. Dies hat der Autor mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen ausgestaltet.

Ebenfalls gut gefallen hat mit dir gesamte Vampirgeschichte. Erstaunlicherweise empfand ich sie nicht so unrealistisch, so dass ich sie kurzerhand akzeptieren konnte und mir nicht ständig vor Augen hielt „das geht doch gar nicht“. Mir fehlen aber auch Vergleichsmöglichkeiten, da ich mich bisher konsequent geweigert habe, Vampirbücher zu lesen und nur die Klischees der weichgespülten Glitzervampire kenne (die im Buch ebenfalls thematisiert wurden! Sehr amüsant). Denen entsprachen die hier auftretenden Vampire ganz und gar nicht!

Etwas störte mich die Pärchendichte in diesem Roman. Zeitweise hatte ich den Eindruck, es geht zu wie bei “Bauer sucht Frau” auf dem Scheunenfest – jeder muss unter die Haube und der erstbeste wird auch schon der richtige sein. Generell in Ordnung, in der Masse fand ich es eher übertrieben.

Fazit: Kompliziert, anstrengend, voller Startschwierigkeiten und dennoch romantisch knisternd – so lässt sich die Beziehung zwischen Elias und Jan beschreiben,  dem schwulen Vampir mit Migrationshintergrund und dem bisher hetero lebenden Frauenheld. Bis auf kleinere Kritikpunkte, die mich nicht wesentlich beim Lesen störten, hat mir dieser Vampirroman gut gefallen.

Link zum Beitrag: nie ohne Buch

 

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