Nervige Papstpropaganda
Sankt Peter in Rom

Sankt Peter in Rom

Das Thema Papst geht mir auf den Geist. Schlägt man dieser Tage die Zeitung auf, schaltet das Radio an, schaut TV oder geht ins Internet, alles ist beherrscht von der Berichterstattung über den neuen Staatsschef des kleinsten Staats der Welt. Er heißt Franziskus, war vorher in Argentinien tätig und ist sehr bescheiden. So bescheiden, daß es nur fünf Wahlgänge gebraucht hat, um ihn zu wählen. Und er ist so bescheiden, daß er selber zu seinem Hotel fährt, um dort seine bescheidene Rechnung zu bezahlen. Man ahnt es schon – er tut es ganz bescheiden. Überhaupt ist Bescheidenheit das Hauptelement der Papstpropganda. Habe ich da was verpaßt zuletzt zwischen Mißbrauchsskandal, Behandlungsverweigerung einer vergewaltigten Frau in Kölner Krankenhäusern und ewiggestriger Sexualmoral? Mir ist nicht unbedingt aufgefallen, daß der Vorgänger von Papst Franziskus für seine ausschweifenden Orgien und das Verprassen von Peterspfennigen stand.

Der Bonner Generalanzeiger macht heute auf der oberen Hälfte der Titelseite mit der Berichterstattung über – natürlich – den bescheidenen Papst Franziskus auf und innen findet man dann wieder seitenlange Berichte über Papst Franziskus. Wer alles was hofft und erwartet vom neuen Papst. Befragungen auf der Straße, in Kirchen und so weiter. Papst bis zum Erbrechen.

Papst bis zum Erbrechen

Die linke Spalte ist den irren Salafisten gewidmet, die den ProNRW-Chef ermorden wollten. Wieder Religion und irre Ideologien. Ok, es wäre jetzt nicht unbedingt ein Verlust gewesen und tendenziell bin ich der Ansicht, daß es des Nachdenkens wert wäre, die Salafisten und ProNRWler ins Müngersdorfer Stadion zu sperren und alle Ausgänge zu schließen, bis innen Ruhe herrscht. Vielleicht kauft RTL ja die Übertragungsrechte und überträgt es ins Nachmittagsprogramm.

Die ganze erste Seite des Bonner Generalanzeigers, die mir heute bei meinem Zeitungsdealer in die Hände fiel, widmet sich also den Rechten und den religiösen Extremisten. Die Bonner beten für den Papst. Ich nicht.

Salafisten, Katholiban und ProNRW

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schafft es ebenso, seitenlang über den neuen Papst zu berichten. Haben die Medien irgendwie eine Redaktionsgemeinschaft mit dem Osservatore Romano? Was der Papst alles gemacht hat und auch nicht, irgendwas soll da sein mit allzu großer Nähe zu früheren argentinischen Diktatoren. Da kommt bestimmt noch was nach. Franzileaks oder so.

Mir reicht es jetzt allmählich mit der Propaganda rund um den Papst. Da gibt es Interessanteres als Papst, Papst und nochmals Papst. Gestern die Aussprache im Bundestag zum Thema Homo-Ehe und Angleichung der Rechte schwuler und lesbischer Partnerschaften. Volker Beck lief zu Höchstform auf, als er die verkalkte Unionsmumie Norbert Geis zur Rede stellte. Auch Johannes Kahrs (SPD) führte genüßlich die oberste Vertriebene Erika Steinbach vor, die der Meinung ist, dass Deutschland vor dem Bundesverfassungsgericht geschützt werden muß. Norbert Geis, der ja selbst seiner CSU so peinlich ist, daß sie ihn nicht mehr aufstellt für die nächste Bundestagswahl, wußte sowieso zu berichten, daß das Bundesverfassungsgericht irrt. Klar, gut, daß wir ihn haben. Der arme Michael Kauch, FDP, selber schwul, lieferte ebenso einen guten Redebeitrag ab, stimmte dann aber schön brav mit der Union für eien Vertagung des Themas. Das war eine lebhafte und sehenswerte Debatte, die einen guten Nachklang fand im heute journal.

Es gibt noch andere Themen als Papst. Meinetwegen auch die polnischen Wurzeln der Kanzlerin. Obwohl – polnische Wurzeln? Da gab es doch mal diesen Polen?

2 Comments

  • tuckenalarm Posted 17. März 2013 16:15

    stimmt genau. früher nannte man so etwas hofberichterstattung. zuviel aufmerksamkeit und zuviel unhinterfragter jubel, da simme ich dir völlig zu. zum glück gibt es inzwischen auch zahlreiche kritische berichte.

  • admin Posted 18. März 2013 21:17

    Hoffentlich bleibt uns der neue Papst lange erhalten. Nicht daß es in ein paar Monaten schon wieder los geht mit Begräbnis, Sedisvakanz, wer wird der Neue und wie ist er denn so…

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