taz verteidigt unseriösen Schmierenjournalismus à la „The Daily Beast“
Nico Hines The Daily Beast (towleroad.com)

Nico Hines The Daily Beast (towleroad.com)

Nein, dem Autor dieses Artikels in der taz kann ich in keiner Weise zustimmen. Es gibt in meinen Augen Grenzen der Berichterstattung und es gibt einen seriösen Journalismus.

In Bonn lebend, verpartnert, schwul und damit gut lebend, weiß ich, dass es für meine Nachbarn kein Problem darstellt. Und wenn es Probleme gäbe, wüßte ich mich zu wehren. Ebenso mein Mann.

Wir sind hier in Deutschland in einer für LGBTs einigermaßen komfortablen Position, wenn auch nicht 100 % perfekt, vieles sicher verbesserungsbedürftig.

Selber haben mein Mann und ich zwei junge schwule Flüchtlinge aufgenommen und erleben, wie groß jetzt noch – auch nach Anerkennung als Flüchtlinge – die Angst vor der Familie ist.

Nico Hines, der „Autor“ des Daily Beast verkennt völlig und ich schätze, dass es ihm egal ist, dass es auch noch eine Privatsphäre gibt.

Er hatte es nicht mit Amtsträgern z.B. aus dem politischen oder kirchlichen Umfeld zu tun, die öffentlich homophob auftreten und sich dann in flagranti mit irgendwelchen Jungs erwischen lassen.

Die Vorbildfunktion junger Sportler

Ja, die Olympioniken haben eine gewisse Vorbildfunktion. Als hoffentlich dopingfreie und ehrliche Sportler mit guten Leistungen. Aber sie haben auch ein Recht auf ein Privatleben. Und was sie privat mit einem Mann/Frau in den eigenen vier Wänden treiben, das geht nur sie und ihre/n Partner/in etwas an.

Ich finde es verdammt anmaßend und nahezu pervers, dass es ein öffentliches Interesse am Privatleben eines jungen Menschen geben kann, der sich seine Karriere und sein Leben aufbaut.

Hier in Bonn lebend, habe ich noch die letzten Jahre der Bonner Republik miterlebt. Es war ein kleiner Kosmos, und es gab zwischen Politiker und Journalisten ein ungeschriebenes Gesetz. Privates blieb privat.

Jeder Journalist oder jeder halbwegs politisch interessierte Bonner wußte, wer von den bekannteren Politikern und Spitzenbeamten wo unterwegs war. Ob ein AA-Staatsminister, der seit 25 Jahren mit seinem Büroleiter ein Paar bildete, schwule MdBs eine Fraktion hätten bilden können – das war kein Thema, weil es keinen politischen Aussagewert hatte.

Und so ist es auch mit den jungen Sportlern. Ob sie schwul sind oder nicht, spielt für ihre Leistungen keine Rolle. Wenn sie ihr Schwulsein öffentlich machen wollen, weil sie glauben, dass sie damit anderen Sportlern ein Vorbild sein können, ist das okay und lobenswert. Wenn sie Angst haben vor einem Outing, weil damit ihr Leben, ihre Karriere und ihre Zukunft gefährdet sind, dann muß man das respektieren. Ihnen gegebenenfalls Hilfe anbieten.

Und die Diskussion über schwule Sportler in Spitzenpositionen muß geführt werden. Es ist zu wünschen, dass der immense Druck von ihnen genommen wird. Wie befreiend das sein kann, sieht man, wenn Sportler wie Tom Daley oder Schauspieler wie Colton Haynes oder Charlie Carver über ihr Outing sprechen.

Aber nicht so, wie es dieser Schmierenjournalist gemacht hat. Seriöse Journalisten schützen ihre Quellen und wahren deren Interessen.

Der Autor des Daily Beast Artikels gehört nicht zu den Journalisten, die man als seriöse Vertreter ihrer Zunft einschätzen kann. Er löst bei mir Ekel aus.

taz: Ehrlicher ficken

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