Der BAfmW-Messestand auf der Leipziger Buchmesse 2015

Der BAfmW-Messestand auf der Leipziger Buchmesse 2015

Als Verfasser der Mitteilung, als Autor an der Leipziger Buchmesse wegen der sächsischen Wahlerfolge der rechtsextremen AfD nicht mehr teilnehmen zu wollen und mit meinem Partner zusammen auch Träger des BAfmW nehme mir das Recht heraus, dorthin zu gehen, wohin ich gehen möchte. Wir sind nicht dafür da, als kleines Unternehmen aus dem Westen Sachsen zu retten und auf der LBM schon gar nicht. Da muß niemand gerettet werden. Und die Messe-Organisatoren wollten mit uns auch einiges auf die Beine stellen, um soweit es geht, auch selber Position zu beziehen. Dieses Jahr hatten wir dort eine tolle Veranstaltung, viel Spaß und Erfolg. Ich war danach auch schon vor Ort, und hatte für 2018 einen größeren Stand geplant. Das BAfmW ist attraktiv als Aussteller und auf seine Art auch ein Hingucker sowie beliebtes Thema in den Medien.

Aber für mich selber, der schon wegen dieses Hasses, den das rechte Dreckspack von der AfD und sein Fandom provoziert, eine Serie von sieben Einbrüchen und Einbruchsversuchen mit schwerem Vandalismus und Hakenkreuzschmiereien hat über sich ergehen lassen, bis hin zur Erkrankung und Betriebsaufgabe, ist nach diesem Wahlergebnis eine persönliche Schmerzgrenze überschritten.

Sachsen ist für mich ein No-Go-Area

Die Fassade des BAfmW mit dem Projekt "Gegen den Haß der Rechten und Religiösen" in Bonn

Die Fassade des BAfmW mit dem Projekt „Gegen den Haß der Rechten und Religiösen“ in Bonn

Im No-Go-Area Sachsen jedem dritten oder vierten Einwohner über den Weg zu laufen, der qua CDU-Politik des Verharmlosens und Ignorierens des rechten Problems oder als Fan des AfD-Pöbels zu sehen ist, das ist für mich persönlich unerträglich. Denn da sehe ich automatisch diejenigen, die mir meinen Betrieb zerstörten, die unser Haus anzünden würden (O-Ton Chemnitzer Besucher), weil es nichts mehr wert sei, die unsere beiden Jungs am liebsten von deutschen Soldaten erschossen gesehen hätten, und anderes mehr. Ich kann da auf eine reiche Palette an Erfahrungen zurückblicken, auch auf 1600 moderierte und gelöschte Haßkommentare auf der BAfmW-FB-Seite nach der Ankündigung im April, an den Gegendemos zum AfD-Parteitag in Köln teilzunehmen. Daran habe ich dann trotzdem teilgenommen, auch wenn es schwerfiel.

Wir stellen unser ganzes Haus jungen Illustratoren zur Verfügung, die auf den Fassaden immer wieder dieses Thema aufgreifen werden, was wir mit unserer großen Nordfassade ja schon getan haben. Wer unter denjenigen, die in den vorangegangenen Kommentaren bei Teilzeithelden meine Entscheidung kritisierten, hat sich denn via Crowdfunding daran beteiligt und Flagge gezeigt? Oder auch nur den Beitrag dazu weitergeteilt?

Ich bin es ziemlich leid, wegen meiner Entscheidung, nicht mehr als Aussteller an der Leipziger Buchmesse / Manga Comic Con teilzunehmen, aus irgendwelchen Ecken genervt, belästigt und zuletzt sogar schon diffus bedroht zu werden.

Meine Entscheidung ist KEINE Kritik an der Messe Leipzig oder an der Stadt und dem Großteil seiner Bewohner.

Der Gedanke, auf der LBM/MCC oder im Umfeld solchen Menschen zu begegnen, die ihre Stimme den Nazis von der AfD gaben, hat für mich etwas so zutiefst Abstoßendes, dass es für mich unerträglich ist. Deswegen ist Sachsen für mich ein No-Go-Area.

Dafür nehme ich vieles in Kauf.
– finanzielle Einbußen
– Verzicht auf Pressegespräche
– Verzicht auf eine tolle Veranstaltung wie die LBM/MCC
– Verzicht auf Treffen mit Autoren und BafmW-Fans
– Rufschädigung u.a.
– Aufrufe, unseren Webshop zu boykottieren

Ich nehme es sogar hin, wenn das Projekt BafmW dadurch großen Schaden nehmen würde. Denn das ist meine Meinung, zu der ich stehe.

Und, um es mit Friedrich August III., dem letzten sächsischen König zu sagen: „Nu da machd doch eiern Drägg alleene.“

Es gehört kein Mut dazu, mich dafür zu kritisieren und sich selber als „aufrechten Kämpfer“ darzustellen, der mit seinem Besuch der LBM unter dem Motto „Jetzt erst recht!“ angeblich Position gegen die Rechten bezieht. Ja was denn? Auf einer liberalen Veranstaltung im linksliberalen Leipzig sich mit Gleichgesinnten zu treffen? Da steht wohl eher das Bedürfnis im Vordergrund, nicht auf sein Vergnügen oder aber entsprechenden Umsatz verzichten zu wollen. Und das dann unter das Licht des Sich-Bekennens zu stellen? Kommt mir ziemlich scheinheilig vor.

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