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Der Volksgerichtshof vs. Luke Mockridge

Ich kenne weder Luke Mockridge noch seine Sendungen, auf Comedy liegt mein Fokus nicht so sehr. Hier und da mal beim Zappen kurz reingeraten und weitergezappt – wie gesagt, das ist nicht mein Interessengebiet. Auch in Bonn ist mir Luke Mockridge noch nicht begegnet. So richtig gestolpert über ihn bin ich durch einen der tageweise durch die Socials tobenden Shitstorm. Könnte man unter „Morgen wird die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben“ abordnen. Aber vielleicht eben auch nicht.

§ 1: Alle Männer sind Schweine und Vergewaltiger

Der Komiker Luke Mockridge sitzt nach der ersten Folge von «LUKE! Die Greatnightshow» im Studio. picture alliance/dpa | Henning Kaiser
Der Komiker Luke Mockridge sitzt nach der ersten Folge von «LUKE! Die Greatnightshow» im Studio. picture alliance/dpa | Henning Kaiser

Ich habe mir aber die Beiträge und vor allem die Kommentare in der Causa Luke Mockridge angesehen und so ungefähr zwei Stunden damit zugebracht. Für einen Autor ist das ganz interessant.
Was ich an Tweets unter gesehen habe, läßt sich so zusammenfassen:

  • Mann möchte Sex mit damaliger Freundin
  • Freundin will grad nicht
  • Es kommt nicht zum Sex
  • Später trennt sich das Paar. Sehr viel später.

Einige Monate später bekommt Luke Mockridge eine Anzeige der Ex wg. „gefühlter Vergewaltigung“. Das ist ein toller Begriff. Wohl jeder hat es in seiner Partnerschaft schon erlebt, dass die Lust auf Sex einseitig war und mit „Du Schatz, ich hab grad Migräne!“ abgewimmelt wurde. Und sehr viel später fällt der Exfreundin ein, dass das ja eine „gefühlte Vergewaltigung“ war.

Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund für Ermittlungen gegen Luke Mockridge

Der SocialMedia-Volkssturm weiß es besser, Luke Mockridge muß schuldig sein. Die Twitter & Facebook-Bubble ruft den Volksgerichtshof aus, denn es gilt:
§ 1: Männer sind per se Schweine und immer berufsmäßige Vergewaltiger
§ 2: Frauen sind immer arme Opfer und nie Täter
§ 3: Sollten Männer einmal nicht per se Schweine und berufsmäßige Vergewaltiger sein, tritt automatisch § 1 in Kraft.

Ich finde es widerlich, wie sich nicht wenige, die beim „Nicht-Sex“ nicht dabei waren, trotzdem in dem Scheinwissen suhlen, dass es eine Vergewaltigung gegeben haben muß. Einfach weil es so sein muß und nicht sein kann, was nicht sein darf. Kommentare mit „Man sagt“, „Jeder weiß, dass…“ geben vielfach den Ton an. Nur wenige halten dagegen, es ist eine kollektive gesellschaftliche Feigheit vor vermeintlichen Tugendwächtern, wie es schon FAZ-Redakteur Reinhard Müller in der Sache Jörg Kachelmann schrieb.

Eine gewisse Klientel feministischer Aktivistinnen läuft gegenüber Luke Mockridge zu Hochform auf, ich nenne es Mösen-Mob. Denen ist es völlig egal, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, und eine Behauptung, die in eine Anzeige mündet, eben nur eine Behauptung ist, wenn die Anzeige nicht in ein Verfahren und eine Verurteilung mündet.

Toxischer Feminismus: Frauen können sehr wohl genauso widerlich sein wie Männer

Wohl jeder erinnert sich noch an die Vorwürfe, denen sich Jörg Kachelmann ausgesetzt sah. Sie mündeten in Verhaftung, Gefängnisaufenthalt und langwierige Verfahren. Letztendlich kam heraus, dass an den Vorwürfen nichts dran war. Gleichwohl waren die persönlichen und beruflichen Folgen für Jörg Kachelmann gravierend. Auch die gewonnenen Verfahren gegen verschiedene Medien, daraus resultierende (gewonnene) Schadensersatzforderungen und einiges mehr an Rehabilitation führten z.B. nicht dazu, dass Jörg Kachelmann wieder als Wettermoderator eingestellt wurde.

Als Verleger und Buchshopbetreiber habe ich einmal einer Autorin, die ihre lesbischen Fantasyromane bei uns im Buchshop Bundesamt für magische Wesen verlegen bzw. verkaufen wollte, mitgeteilt, dass ich dafür bei uns keinen Markt sähe (also kaufwillige Leser) und mich persönlich lesbische Fantasyliteratur auch nicht interessiert.

Eine andere Autorin wollte bei uns einen schwulen Liebesroman veröffentlichen. Zuerst kam es stellenweise als Satire daher, denn „da stieß der gutbestückte Hengst dem willig aufnehmenden Boy sein mächtiges Teil zwischen die Lippen und gierig schluckte der Junge alles, was ihm in den Rachen gespritzt wurde“ (Zitat aus dem Exposé). Zur Erklärung: Der Mann war jenseit der 50 Jahre und seine Lustobjekte waren allesamt unter 16 Jahren, auch wurden die Jungs allesamt eher als atmende Sexpuppen beschrieben, die es brauchten, so behandelt zu werden. Eigentlich war das ihr Lebens- und Existenzzweck. Die Autorin fand das völlig in Ordnung und hielt das für einen gut geschriebenen schwulen Liebesroman.

Für mich war das Verharmlosung von Missbrauch und widerlicher Sexismus. Sie bekam von uns die Antwort, dass wir als Verlag solche Bücher nicht verlegen würden und sie doch einmal darüber nachdenken möge, wie es wäre, einen Roman zu lesen, in denen junge Mädchen als billige und willige Lustschlampen älterer Männer dargestellt würden. Ihre Antwort lief darauf hinaus, dass sie als Frau so etwas schreiben dürfe. Nun ja, sie ist auch gern i.S. #metoo unterwegs.

Beide Autorinnen verbreiten seitdem, ich sei frauenfeindlich. Das sind zwar nur zwei kleine persönliche Beispiele, die nicht weiter gravierend sind und diese Autorinnen haben bis heute keinen Verlag für ihre „Werke“ gefunden – aber sie belegen eben auch, dass Frauen genauso widerlich sein können wie es Männern vorgeworfen wird. Charakterlich entsprechen solche Frauen meiner Meinung nach jenen Wesen, die die Katapulte von Mordor nach Gondor ziehen.

Ich kann letztendlich nicht beurteilen, ob Luke Mockridge unschuldig ist und ob er sich seiner Exfreundin gegenüber nicht korrekt verhalten hat. Aber ich weiß, dass er im Sinne des Rechtsstaates unschuldig ist und dass ein widerlicher Mösen-Mob (anders kann ich diesen Kreis nicht bezeichnen) in jedem Fall eine Rufmordkampagne betreibt, nach dem Motto: „Da wird schon etwas hängen bleiben.“

Das geht nicht.

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